Etappensieg bei Diskriminierung durch Staatsgewalt: Eine Kontrolle in Anknüpfung an die Hautfarbe sei unzulässig.

Ich war gestern als Zeuge vor dem Oberverwaltungsgericht wegen der folgenden Angelegenheit: Eine dunkelhäutige, deutsche Familie wurde am 25.1.2014 in einem Zug von Bingen nach Koblenz kontrolliert und es fand ein Abgleich der Ausweispapiere mit den Polizeidatenbanken statt. Auf die Nachfrage der Familie, warum ausgerechnet diese kontrolliert wurde, gaben die Polizeibeamten an, dass in dem Zug stichprobenartig noch weitere Passagiere untersucht werden. Dazu ist es jedoch nie gekommen. Die Familie empfand dieses Verhalten der Polizisten als einen Verstoß gegen Artikel 3 des Grundgesetzes (Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich), klagte und bekam Recht. Da die Pressemitteilung zum Urteil (Aktenzeichen: 7 A 11108/14.OVG) ziemlich kompliziert zu lesen ist und ich dabei war, möchte ich erklären, was genau passiert ist. In dem Fall geht es zwar nicht um häusliche Gewalt. Da ich mich in diesem Blog auch für die Umsetzung von Artikel 3 des Grundgesetzes stark mache, habe ich mich entschieden, dass meine Erlebnisse hier thematisch passen.

Der Artikel ist in die folgenden 6 Abschnitte gegliedert. Zunächst berichte ich nochmal, was ich am 25. Januar beobachtet habe. Anschließend erzähle ich von meinen gescheiterten Versuchen, das Videomaterial des Zuges als Beweismaterial sicher zu stellen und eine Anzeige bei der Polizei zu stellen. Ich berichte dann was ich vor Gericht erlebt habe und wieso meine Zivilcourage und Dienstaufsichtsbeschwerde wohl von entscheidender Bedeutung war. Anschließend versuche ich (als nicht Jurist!) das Urteil einzuordnen und möchte schlussendlich noch meine eigene Bewertung und Gedanken dazu teilen.

Was habe ich am 25. Januar beobachtet?

Am einfachsten ist es wohl, wenn ich meine Dienstaufsichtsbeschwerde, die ich bei der Polizei am 27. Januar gestellt habe noch ein Mal hier mit der Öffentlichkeit teile:

Sehr geehrter Herr Weber,

im folgenden möchte ich mich gerne über das diskriminierende Verhalten von zwei Polizeistreifen am 25.1.2014 beschweren.

1. Fall:

Ich bin am 25.1.2014 um 12:16 in Bingen am Rhein in die Mittelrheinbahn MRB25326 gestiegen. Dort hat eine Polizeistreife eine dunkelhäutige Familie nach ihren Ausweispapieren gefragt.

Die Familie ist dem Wunsch der Polizei direkt nachgekommen hat jedoch gefragt, warum gerade sie überprüft wird. Als Antwort entgegnete einer der Beamten, dass es sich um Routineuntersuchungen im Zug handeln würde und dass stichprobenartig auch noch andere Passagiere untersucht werden.

Hierzu ist es jedoch nie gekommen. Die Polizeistreife hat noch ca. 5 Minuten im Zug gestanden und ist um 12:25 in Niederheimbach ausgestiegen.

Ich empfand diese Situation als äußerst ungerecht, diskriminierend und unverhältnismäßig.

2. Fall:

Bei der Ankunft in Koblenz im selben Zug am 25.1.2014 um 13:08 stieg eine weitere Polizeistreife ein. Die Familie erkundigte sich bei der Polizeistreife, ob das Vorgefallene und Erlebte normal sei und bei wem man sich beschweren könnte.

Anstatt Auskunft zu geben (z.B. darüber, dass eine Dienstaufsichtsbeschwerde bei Ihnen – also dem Polizeipräsidenten – eingelegt werden könnte) war die Polizeistreife in Koblenz wenig hilfreich. Das Erlebte wurde herunter gespielt. Erst als ich mich in das Gespräch einbrachte und bestätigte, dass das Vorangegangene und von mir beobachtete Verhalten in der Tat sehr fragwürdig war, wurde das Wort gehört.

Dennoch war die Reaktion, dass man nun in Koblenz sei und nichts machen könne, weil es ja vermutlich eine Streife vom Mainzer Präsidium war und man dort einmal anrufen könnte.

Während die Familie meine Kontaktdaten als potentieller Zeuge entgegen genommen haben, ist die Koblenzer Polizeistreife wieder verschwunden. Ich kann mich nicht daran erinnern, wie die Verabschiedung statt gefunden hat.

Auch in diesem Fall erschien mir das Verhalten Ihrer Mitarbeiter nicht korrekt.

Leider habe ich mich selbst in der Situation nicht gut verhalten und habe keine Dienstnummern Ihrer Mitarbeiter erfragt. Mir wurde das Ausmaß der Situation auch erst im Laufe des Tages voll und ganz bewusst.

Bei einer gestrigen Zugfahrt habe ich erfahren, dass es Videoüberwachungen in der Mittelrheinbahn gibt. Vielleicht kann eine Videoaufzeichnung helfen, den Sachverhalt (ausschliesslich die dunkelhäutige Familie wurde untersucht) festzustellen.

Mit freundlichen Grüßen Rene Pickhardt

Wie habe ich reagiert und wie bin ich gescheitert?

Während der Kontrolle habe ich also gar nicht reagiert, außer dass ich etwas achtsamer wurde. Insbesondere war ich neugierig, ob die Polizisten ihrer Aussage nachkommen würden und tatsächlich noch andere Passagiere untersuchen. Nachdem ich am nächsten Tag erneut mit der Mittelrheinbahn gefahren bin habe ich mich beim Zugpersonal nach den Videoaufzeichnungen informiert. Mir wurde mitgeteilt, dass diese innerhalb von 48 Stunden gelöscht werden es sei denn die Polizei fragt diese an.

Ich erkannte das Dilemma. Würde die Polizei bei einer Klage gegen die Polizei ihre Macht nutzen und die Beweismittel sicher stellen? Ich erkundigte mich auf der Webseite der Polizei und in diversen Webforen was zu tun ist. Am Vormittag des 27.1.2014 rief ich mehrfach (ich erinnere mich nicht mehr an die Anzahl) bei diversen Polizeistellen und auch noch ein Mal bei der Betreibergesellschaft der Mittelrheinbahn an. Die Polizeistellen verwiesen darauf, dass man einen richterlichen Beschluss bräuchte, um das Videomaterial sicher zu stellen und dieser sicherlich nicht innerhalb von 48 Stunden zu bekommen sei. Mein einziger Weg dahin sei eine Dienstaufsichtsbeschwerde, die aber sicherlich nicht so schnell behandelt werden würde, dass die Video-Aufzeichnungen noch sicher gestellt werden können. Die Betreibergesellschaft betonte hingegen, dass auf Grund von Datenschutz und Privatsphäre das Videoband nur sicher gestellt werden könne, wenn die Polizei danach fragt. Auch auf meine Aussage, dass es hier eben um ein potentielles Verbrechen der Polizei ginge und die Polizei sich im Moment nicht kooperativ zeigt, wurde nicht weiter eingegangen.

Ich gab auf, stellte aber – ohne die Hoffnung, dass es noch etwas helfen würde – die Dienstaufsichtsbeschwerde beim Polizeipräsidenten. Auf die Mail bekam ich erst Tage später eine Antwort, dass sie sogar an die falsche Adresse geschickt gewesen sei – obwohl ich diese exakt so am Telefon im Gespräch mit der Polizei erfragt hatte. Die Beschwerde sei nun weiter geleitet worden und ich hörte nie wieder etwas davon.

Randnotizen:

  1. Wofür haben wir eigentlich Videoüberwachung, wenn die Bänder so schnell gelöscht werden, dass man nie dran kommt?
  2. Ich erwog auch bei der Polizei zu lügen und zu behaupten ich hätte eine Messerstecherei oder einen Raubüberfall in dem Zug gesehen, um dieses blöde Videoband sicher zu stellen. Jedoch hatte ich die Vermutung, dass ich neben dem Band auch eine Menge Ärger bekommen würde und ich hatte einfach nicht den Mut, für diese vermeintliche Notlüge.

Was ist vor Gericht passiert?

Der Fall wurde zu einer Art Politikum. Auf ein Mal war die Frage wichtig, ob die Polizisten die Familie zu erst auf Englisch oder Deutsch angesprochen haben, weil man dann davon ausgehen könnte dass sie Touristen sein, die evt. ihr Visum überstrapazieren. Auch wurde gerätselt ob direkt nach den Ausweisdokumenten gefragt wurde oder ob es erst noch eine leichtere Form der Befragung gab. Seitens der Verteidigung wurden Lagekenntnisse und statistische Daten der Polizei über Flüchtlingsströme herbeigeführt, die den Beamten implizit eine nahezu an James Bond erinnernde Kompetenz zusprachen.

Die Verteidigung in Form von Professor Dr. irgendwem (sorry ich habe den Namen vergessen, weil er ja auch der Verteidigung unwichtig zu sein schien, wenn man sich hinter Titeln verstecken musste) probierte sowohl in meiner Befragung mir Worte in den Mund zu legen („Herr Pickhardt Sie dachten doch auch, dass es sich um Touristen handelt…“), als auch anschließend in deren Plädoyer. Außerdem wurde meine Einschätzung, dass die Polizisten eine Weile im Zug standen und locker noch 1 oder 2 Befragungen hätten durchführen können diskreditiert. Ich bin beeindruckt, dass man als Anwalt vor Gericht so eiskalt lügen und manipulieren darf.

Was irgendwie kaum passierte ist, dass außer Seitens der Familie jemand mal das Wort Rassismus in den Mund nahm. Selbst ich kam bei meiner Befragung nicht wirklich dazu. Dabei war das doch genau das worum es eigentlich ging.

Warum meine Zivilcourage wichtig war!

In meiner Befragung musste ich auf viele Detailfragen antworten, dass ich mich nicht mehre erinnern kann. Wie auch nach 2 Jahren. Was das Gericht aber überzeugt hat- so wurde mir das zumindest von Seiten der Anwälte erklärt – ist die Tatsache, dass ich völlig unabhängig, der Sache nachgegangen bin, es ein schriftliches Dokument über meine Beschwerde gab und das Videomaterial nicht gesichert worden ist – was auf Wunsch der Polizei einen Anruf und ohne richterlichen Beschluss geht. Meine Rolle als dritter beobachtender, der die Situation auch so stark diskriminierend eingeschätzt hat, dass er aktiv wurde hat die Verteidigungsversuche der Beklagten diskreditiert. Entsprechend bin ich auch heilfroh, dass ich die Videomaterialen nicht unter einem Vorwand sicher gestellt habe.

Einordnung des Urteils.

Das Ganze schien auch komplex, weil hier Europarecht, Polizeirecht und das Grundgesetz mit gewissen Inkonsistenzen aufeinander prallten. Ich erinnere noch mal an die James Bond artigen Kompetenzen der Polizisten, denen Seiten der Verteidigung also auch eine vollständige Kompetenz über die Abwägung dieser rechtlichen Fragen hinsichtlich ihrer Entscheidung die Familie zu untersuchen zugesprochen wurde.

Letztlich hat das Gericht jedoch ganz klar folgendes festgestellt (Quelle):

Bei Würdigung des gesamten Sachverhalts […] habe der […] Senat nicht die Überzeugung gewinnen können, dass die Hautfarbe der Kläger für ihre Kontrolle nicht zumindest ein mitentscheidendes Kriterium gewesen sei.

und etwas später:

Eine Auswahl der Personen bei Kontrollen zur Unterbindung unerlaubter Einreisen, für die die Hautfarbe der Personen das alleinige oder zumindest ein ausschlaggebendes Kriterium sei, verstoße nach der Rechtsprechung des Senats gegen das Diskriminierungsverbot des Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG.

Auf gut Deutsch heißt das jetzt wohl: Wir wissen zwar nicht so genau, warum die Familie untersucht wurde, ABER: Wenn eine Polizeistreife im Zug eine dunkelhäutige Person oder Familie untersucht, muss sie entweder auch noch eine weitere Kontrolle an einer hellhäutigen Familie oder Person durchführen oder aber in dem Zug müssen mehrere dunkelhäutige Reisende sein, die nicht kontrolliert werden. Nur so ließe sich nämlich sicherstellen, dass die Hautfarbe nicht ein ausschlaggebendes Kriterium sei.

Das ist eine sehr grundsätzliche Aussage im Bezug auf Gleichheit und Antidiskriminierung und die Wichtigkeit von Artikel 3 des Grundgesetzes. Oder um es mit dem Worten des Anwalts der Kläger zu sagen:

Mit diesem Urteil haben wir ein Stück Geschichte geschrieben.

Meine eigene Gedanken dazu

Ich bin sehr froh nicht gelogen zu haben, um das Videoband sicher zu stellen. Die Anwälte der Klägerseite waren in der Pause des Verfahrens zwar zuversichtlich, dass die Familie zwar Recht bekäme, dass die Untersuchung unzulässig sei allerdings wohl kaum, weil es sich um Racial Profiling, sondern eher um irgendwelche Normfehler gehandelt haben müsse. Meine Zeugenaussage und vor allem die aktenkundige Dienstaufsichtsbeschwerde hatten jedoch – so die Aussage der Anwälte – jeglichen Verteidigungsversuch der Polizisten stark diskreditiert, so dass das Gericht auf viel grundsätzlicherer Ebene entscheiden musste bzw. konnte. Ich lerne daraus 2 Dinge: 1.) Ehrlich währt am längsten und 2.) Video Überwachungen sind völlig unnötig.

Bedenklich finde ich jedoch, dass eine Klage der Familie alleine vermutlich nicht eine so grundsätzlich bedeutende Entscheidung ermöglicht hätte und dass meine Beschwerde alleine gar nichts gebracht hätte. Wie oft mag schon etwas ähnliches passiert sein, wo nur einer aktiv wurde und nicht 2 Parteien. Also Leute: Mund auf machen hilft!

Auch die Tatsache, dass die Polizei kollektiv (bewusst oder unbewusst) dazu beigetragen hat, dass Beweismittel nicht sicher gestellt wurden stimmt mich nachdenklich. Auch die Tatsache, dass dieser Punkt nicht wirklich verhandelt wurde und jetzt einfach so als „Kollateralschaden“ bleibt ist für mich befremdlich. Ich meine wer kontrolliert bei aller Gewaltenteilung in unserem Rechtsstaat eigentlich die Polizei?

Ich möchte an dieser Stelle die exzellente Arbeit der beiden Anwälte Sven Adam und Alexander Tischbirek hervorheben. Sven Adams arbeitet bei Fällen wie diesem kostenlos Pro Bono und wirkte auf mich als sei er tief in der Materie. Ihm ging es meiner Meinung nach wirklich um Gerechtigkeit und nicht ums gewinnen. Alexander Tischbirek arbeitet ehrenamtlich für das Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. wo man auch viele weiterführende Informationen zu dem Fall findet. Auch wenn beide mir sagten, dass meine Zivilcourage wichtig war, möchte ich betonen, die Courage der Kläger Anklage zu erheben und das Engagement der beiden Anwälte in meinen Augen mindestens den gleichen Wert hatten und so zu diesem schönen und gerechten Ergebnis beitragen konnten.

Enam Obi, Rene Pickhardt und William Obi
Selfie mit den Klägern nach der Urteilsverkündung! Strahlende Freude, wenn Gerechtigkeit funktioniert!

Persönlich ist es mir sehr wichtig zu betonen, dass meine Ex-Freundin durch die ich häusliche Gewalt erlebt habe und die in diesem Blog naturgemäß negativ dargestellt wird innerhalb der Beziehung einen starken positiven Einfluss auf mich hatte. Ohne ihre soziale Art, ihren Fokus auf Moral und Ethik sowie ihre Unterstützung in dem konkreten Fall hätte ich wohl nicht probiert das Videomaterial zu sichern und hätte auch keine Dienstaufsichtsbeschwerde geschrieben. Die Familie und die Anwälte auf der Seite der Kläger haben mir nach dem Verfahren mehrfach auf die Schultern geklopft und betont, dass sie meine Zivilcourage beachtlich finden. Auch wenn ich letztlich derjenige war, der es gesehen hat und gehandelt hat, war es doch auch meine Ex-Freundin, die mich über Jahre auf Diskriminierungsprobleme und Fragen der Gerechtigkeit aufmerksam gemacht hat und mir auch in dieser Situation noch ein Mal vor Augen geführt hat, dass hier tatsächlich etwas sehr schief gelaufen ist. Ich wurde oft gefragt, warum ich meine Ex-Freundin nicht angezeigt habe. Es sind ihre sehr soziale Ader und ihr Einsatz für mehr Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft, die mir am meisten helfen ihr zu verzeihen und die mich immer davon abhielten, sie wegen ihrer mangelnden Selbstkontrolle innerhalb unserer Beziehung anzuzeigen. Auch wenn sie mich verletzt hat, glaube ich nicht, dass sie ein böser Mensch ist, der eine Strafe verdient hätte.

Flächendeckende geschlechtssensible Hilfeangebote für Männer, die Opfer von Gewalt geworden sind, sind einzurichten.

Leider konnte ich Anfang März nicht am 25. Opferforum des Weissen Rings teilnehmen. Das war mein Zeil, da es einen Themenschwerpunkt „männliche Opfer von Gewalt“ geben sollte. In einem Kommentar von Tristan Rosenkranz auf meinem Beitrag zum Opferforum wurde ich jetzt auf die Resolution des 25. Operforums des Weissen Rings hingewiesen, von der der Familien und Gewaltschutzblog berichtete. Der letzte Punkt der Resolution sagt:

Aufklärung, Bewusstseinsförderung und Forschung über das Thema Gewalt gegen Männer sind dringend geboten. Flächendeckende geschlechtssensible Hilfeangebote für Männer, die Opfer von Gewalt geworden sind, sind einzurichten.

Ich bin positiv überwältigt davon und unterstütze dieses Statement voll und ganz. Ich habe in diesem Blog mehrfach darauf hingewiesen, dass auf Grund des vorherrschenden Rollenverständnis in unserer Gesellschaft männliche Opfer enorme weitere Belastungen erfahren können. Auch habe ich davon berichtet, wie das deutsche Gesundheitssystem zunächst völlig überfordert war, dass ich als Mann Opfer eines sexuellen Übergriffes durch eine Frau war.

Erst kürzlich habe ich von der Rentenversicherung meine Zusage für die Rehabilitation in der Wicker-Klinik in Bad Wildungen bekommen. Auf der Website fand ich 2 Bereiche, die für mich der Überschrift nach interessant sein dürften:

  1. Fachabteilung für Psychosomatik und Psychotherapie
  2. Fachabteilung für Traumatherapie

Natürlich dachte ich, dass bei einer Post Traumatischen Belastungsstörung auf Grund von häuslicher Gewalt die Fachabteilung für Traumatherapie das Richtige sein müsste. Ich las:

In unserer Fachabteilung behandeln wir hauptsächlich Frauen nach sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt in der Kindheit und Adoleszenz mit folgenden Erkrankungen: […]

Ich wurde skeptisch. Heißt hauptsächlich ausschließlich?

Allen therapeutischen Angeboten liegt ein traumaspezifischer Ansatz zugrunde, der in besonderer Weise die Fähigkeiten und Ressourcen jeder einzelnen Patientin berücksichtigt. Dabei sind alle angebotenen Therapien auf die Stabilisierung und Weiterentwicklung der Patientinnen ausgerichtet.

Ok inhaltlich wäre ein Ressourcen basierter Ansatz etwas, wovon ich sicherlich enorm profitieren könnte. Aber auf dem ersten Link für in der Fachabteilung für Psychosomatik und Psychotherapie wird ja immer von den Patienten und Patientinnen gesprochen.

Die Patientinnen sind in einem eigenen, abgegrenzten Wohnbereich untergebracht. Sie werden von Ärztinnen und Psychotherapeutinnen, Pflegepersonal und Kreativtherapeutinnen betreut, die auf trauma- und frauenspezifische Themen spezialisiert und darin besonders erfahren sind. Sie können sich deshalb besonders gut auf die soziokulturellen, sozialen und persönlichen Lebenswelten der Frauen einstellen.

Gut jetzt haben wir das wohl geklärt. Hauptsächlich heißt in Bad Wildungen wohl ausschließlich. Das fand ich sehr schade und machte mich traurig und frustrierte mich.

Klar kann ich verstehen, dass Frauen nach einem Trauma auf Grund eines sexuellen Übergriffes durch einen Mann erst mal in einer gesonderten Wohngruppe untereinander sein wollen, um sich geschützt zu fühlen. Nachdem ich in die Psychiatrie kam hatte ich Angst und Scham, sobald Frauen in meiner Nähe waren und ich wäre sicherlich zunächst nicht alleine in einen Raum mit einer Frau gegangen.

Doch wo ist mein maßgeschneidertes Hilfsangebot mit Männerspezifischen Themen bzw. das für die anderen männlichen Opfer?

[…] Nach Möglichkeit werden bei uns auch für die krankengymnastischen, sporttherapeutischen und balneophysikalischen Anwendungen ausschließlich weibliche Fachkräfte eingesetzt.

  • Was ist mit männlichen Opfern sexueller Gewalt, die einen männlichen Täter hatten?
  • Oder weibliche Opfer mit weiblichem Täter?
  • Haben die alle in unserer Gesellschaft einfach Pech gehabt?

Ich habe Glück und werde – da ich in meinem Gesundungsprozess mittlerweile recht weit bin – vermutlich auch von dem Angebot der Fachklinik für Psychosomatik und Psychiatrie viel profitieren. An einer anderen Stelle auf der Website steht ja auch, dass sich das Angebot für Frauen von den direkten Therapieangeboten kaum von dem der Fachabteilung für Psychosomatik und Psychiatrie unterscheidet. In dem Sinne wurde und wird mir als Mann auch in unserem Gesundheitssystem, welches ich hier so scharf kritisiere geholfen.

Dennoch existiert immer noch eine stark sexistisch motivierte Diskrepanz, die wir als Gesellschaft hoffentlich auflösen können. Ich bin gespannt, ob der Weisse Ring durch seine Resolution wirklich etwas bewirken kann. Die öffentliche Forderung nach Aufklärung, Bewusstseinsförderung und Forschung über das Thema Gewalt gegen Männer und die Forderung nach flächendeckenden geschlechtssensiblen Hilfsangeboten für männliche Opfer unterstreiche ich jedoch ausdrücklich und begrüße den Schritt des Weissen Rings sehr.

Gewalt in Mert Matans Familie wird toleriert!

Das Web ist gerade voll von der Homophobie von Mert Matans Familie. Mert hatte vor versteckter Kamera behauptet er sei schwul und habe einen Freund, worauf er von seinem Vater eine Ohrfeige gefangen hatte. Das ganze Web echauffiert sich nun über die Schwulenfeindlichkeit der Matans z.B.:

Was mir aber viel zu kurz kommt bei der ganzen Aktion ist Mitgefühl für Mert Matan. Auch wenn es sich um einen leichtsinnigen, unüberdachten und pupertären Streich gehandelt hat, finde ich die gewaltvolle Reaktion seines Vaters hoch problematisch. Unterstrichen wird das Ganze auch noch in dem Statement von Mert Matan. Nachdem er einen Shitstorm im Web erlebt hatte betonte er in diesem, dass seine Familie nicht schwulenfeindlich ist und dass sein Vater bzw. seine Familie schon mal etwas tempramentvoll ist.

Meiner Meinung nach rechtfertigt Mert Martan damit das Handeln und die Schläge seines Vaters. Geht man nach Alice Miller, lässt das Ganze tief blicken. Es liegt die Vermutung nah, dass Mert nicht zum ersten Mal einen Übergriff durch seinen Vater erlebt hat. In dem Video konnte man auch sehen, dass die Mutter sich schützend zwischen die beiden warf.

In seinem Gay Prank Experiment Video weißt Mert darauf hin, dass die Reaktion des Vaters nur geschauspielert war – und dass es diesem nicht leicht gefallen sei, seinen Sohn zu schlagen. Er richtet damit auch zum ersten Mal das Augenmerk auf die Thematik von Gewalt in Familien. Selbst wenn dem so ist und es sich nicht, um eine den Vater schützende Reaktion handelt, untermauert ein solches Script, dass der Familie es als eine natürliche / plausible Reaktion erschien, mit Gewalt zu reagieren.

Ich bin mir nicht sicher, ob Mert Matan dringend Hilfe benötigt? Eine Anzeige seines Vaters bei der Polizei macht vermutlich keinen Sinn, da Mert in dem Gay Prank Experiment Video klar öffentlich sagt, dass sein Vater ja nur geschauspielert hat. Gewalt in Familien ist und bleibt ein Problem in unserer Gesellschaft und auf eine gewisse Art und weise bin ich froh, dass durch Mert Matans aktion dieses Theme (un?)gewollt hoch gekommen ist.

Schulden können auch sehr brutal sein! Deswegen: #unverschuldet

Als ich meine aktuelle Freundin kennen lernte hatte sie Konsumschulden von 10’000 Euro. relativ schnell bermerkte ich, dass mit ihrem Konsumverhalten etwas nicht stimmt und nach ca. 3 Monaten sprach ich sie darauf an. Wir hatten 2 Tage lange viel ernste und sehr emotionale Gespräche. Ich bot ihr meine Hilfe an. Heute kann ich mit Stolz berichten, dass meine Freundin schuldenfrei ist. Sie hat das vor allem erreicht, weil sie ihre innere Einstellung zu Konsum verändert hat und ihre Bedürfnisse überdacht hat. Vor allem war sie sehr konsequent und eisern.

Wir haben uns entschieden über das was wir in der Zeit gelernt haben sprechen zu wollen. Wir wollen Menschen helfen und motivieren, ihre Finanzprobleme auch in den Griff zu bekommen und anzupacken, da wir gesehen haben was die Entschuldung für eine positive Auswirkung auf meine Freundin und unsere Beziehung hatte. In Deutschland sind 6.7 Mio Haushalte überschuldet. Mehr als die Hälfte davon hat weniger als 25 Tausend Euro Schulden. Eine Zahl, die zu großen Mengen an Zinsen führt und die monatliche finanzielle Bealstung der Betroffenen noch erhöht. Es ist aber auch eine Zahl, die sich reduzieren lässt! Schaut und teilt bitte unseren Youtube Kanal #unverschuldet. Auch wenn ihr selbst nicht betroffen seid, so sind es vielleicht ein Teil eurer Freunde oder deren Freunde…

Hier ein emotionales Beispiel Video in dem meine Freundin erzählt, wie es für sie war, mit mir darüber zu reden.

Gewalt gegen Männer als Schwerpunktthema des 25. Opferforum des Weißen Ring – Interview mit Karl Günther Theobald

Vor einiger Zeit habe ich auf der Website des Weißen Rings gesehen, dass am 7. und 8. März 2016 in Mainz das 25. Opferforum des Weißen Rings statt findet. Mit Freude stellte ich fest, dass ein Themenschwerpunkt Gewalt gegen Männer am 2. Tag geplant ist bei dem 3 Sprecher eingeladen sind:

  1. 09:00 Uhr: Verletzt? – bin ich nicht! (Online-)Beratung
    für MännerDetlef Vetter, man-o-mann Männerberatung Bielefeld
  2. 09:40 Uhr: Jungen und Männer als Opfer von sexuellem
    Missbrauch Thomas Schlingmann, Tauwetter e. V., Berlin
  3. 10:20 Uhr: Zur Situation von männlichen Opfern
    Ludger Jungnitz, www.mensstudies.de, Berlin

Zunächst ein Mal war ich hoch erfreut, dass das Thema Gewalt gegen Männer endlich ein Mal nicht totgeschwiegen wird, sondern von einem Interessenverband wie dem Weißen Ring aufgegriffen wird. Ich schrieb in der Vergangenheit ja über meine Erfahrungen, dass männliche Opfer oft strukturelle Gewalt erleben, weil in unserer Gesellschaft männliche Opfer eben nicht akzeptiert zu sein scheinen.

Ich wurde neugierig, wie es zu diesem Themenschwerpunkt kam und kontaktierte den Weißen Ring mit der Bitte mich mit dem Orga-Team um das Opferforum in Verbindung zu setzen. Ich wurde an den verantwortlichen Organisator Dipl. Psychologe Karl-Günther Theobald – der psychologischen Beistand für die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Opfertelefons des Weißen Rings betreibt – verwiesen und hatte mit ihm ein sehr interessantes Telefonat zu dem Opferforum und der Thematik um Gewalt gegen Männer, dessen Inhalte ich hier mit seiner freundlichen Genehmigung mit der Allgemeinheit teilen darf:

Bild kommt aus der Kampagne Zeig Zivilcourage des Weißen Rings

Zunächst erklärte mir Herr Theobald, dass die Frage nach dem Grund für den Themenschwerpunkt schwierig zu beantworten sei. Dennoch betonte er, dass das Opferforum natürlich eine politische Veranstaltung sei. Er erklärte mir, dass bei den insgesamt ca. 25’000 Kontakten des Weißen Rings mit Opfern ca. 1/3 männlich sind, dass aber sein Eindruck ist, dass männliche Opfer in unserer Gesellschaft einfach nicht anerkannt sind.  Er betonte, dabei dass das natürlich auch bedeutet, dass männliche Opfer unter Männern auch nicht anerkannt sind und dass sich da natürlich die Katze in den Schwanz beißt.

„Unsere Gesellschaft hat keinen Platz für männliche Opfer.“

Auch wenn die Tatsache als solche unschön ist, fand ich es sehr erleichternd es auch Mal aus einem anderen Mund  und vor allem aus dem eines Experten zu hören. Herr Theobald sagt, dass die Gesellschaft das gut spiegelt, da es eben keine expliziten Hilfsangebote für männliche Betroffene gibt. Er differenzierte dabei zwischen häuslicher Gewalt und öffentlicher Gewalt. Im Bereich öffentlicher Gewalt sei es klar, dass die meisten Opfer überwiegend männlich sind (auch mit einer Großzahl an männlichen Tätern). Bei häuslicher Gewalt sei schon der überwiegende Teil der Kontakte des Weißen Rings weiblich. Genau könne Herr Theobald das jedoch nicht sagen, da für den Weißen Ring die Bedürfnisse der Opfer vorrangig sind und weil eben keine genauen Statistiken über die Delikte erhoben werden. Wenn der weiße Ring nach Delikten schaut, werden nur die Straftaten erfasst und es sei bei der Vielzahl an Körperverletzungen nicht klar, wie viele davon auf häusliche Gewalt zurück zu führen seien.  Diese Erklärung fand ich auch sehr plausibel.

Ich fragte Herrn Theobald, ob der Weisse Ring denn Statistiken über emotionale und psychische Gewalt im Vergleich zu körperlicher Gewalt habe. Mir wurde von seiner Seite erklärt, dass der Weiße Ring nach seiner Satzung primär Opfer von Straftaten unterstützt und dass im deutschen Gesetz bis auf wenige Ausnahmen z.b. der Stalking Paragraph, nur körperliche Gewalt als Straftat gesehen wird. Der Weiße Ring habe lediglich durch seine Arbeit im Bereich der Prävention z.B. bei dem Thema Mobbing mit diesen Formen von Gewalt zu tun. Da sich Mobbing aber nicht im Kontext häuslicher Gewalt abspielt, könne er mir hier zu auch keine verlässliche Auskunft geben.

Ich erkundigte mich, ob er Angebote zum Thema emotionale Gewalt kennen würde. Er meinte da gibt es eine ganze Reihe von Institutionen und Angeboten, die sich damit auseinander setzen. Es gebe die Ehe und Lebensberatungen, den Arbeitskreis häusliche Gewalt und natürlich noch das ganze Thema Kinderschutz. Problematisch sei seiner Meinung, dass gerade bei emotionaler Gewalt, wie auch bei körperlicher Gewalt, schnell das Opfer als die verantwortliche Person abgestempelt wird und es somit für die Opfer nicht leicht sei.

Ich berichtete von meinen Erlebnissen, mit der Caritas, die eine Stelle für Opfer häuslicher Gewalt hat, mich aber mit dem Hinweis vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert zu sein und somit nur Gelder für Maßnamen für weibliche Opfer häuslicher Gewalt zur Verfügung stünden. Wir waren also wieder am Anfang des Gesprächs angelangt. Herr Theobald sagte – wie ich fand – scherzhaft:

Ich nenne es immer das Ministerium für alle außer mich.

Dennoch war ich erfreut, dass ich auch hier nicht alleine war zu erkennen, dass da strukturell etwas schief läuft. Ich nahm also den Begriff strukturell Gewalt gegen Männer in den Mund. Herr Theobald hielt dagegen, dass es jetzt kompliziert bis absurd würde. Strukturelle Gewalt richte sich ja per Definition nach Johan Galtung stets gegen eine von der Gesellschaft als unterprivilegierte Gesellschaftsschicht betrachtete Gruppe an. Auf Grund der patriachalen Strukturen seien Männer nun in der priviligiertesten Gesellschaftsschicht und damit natürlich als Opfer wieder nicht akzeptabel.

Wir einigten uns darauf, dass genau das die Crux des Problems ist und dass wir nun erst ein Mal das Opferforum, mit seinem Schwerpunktthema abwarten wollten. Wer weiß, ob durch die Öffentlichkeit eine weitere Sensibilisierung für das Thema möglich ist?

Ich persönlich habe bislang immer nur den gelegentlichen Zeitungsartikel gesehen, bei dem auch mal ganz stigmatisiert erwähnt wurde, dass männliche Opfer existieren. Damit sich hier gesellschaftlich etwas verändert, müssten sich meiner Meinung nach männliche Opfer vernetzen und gemeinsam aktiv werden. Auch eine Zusammenarbeit mit weiblichen Opfern, die schon viele Strukturen und Hilfsangebote am Laufen haben ist meiner Meinung nach essentiell. Das Opferforum des Weißen Rings kann meiner Meinung nach ein toller Auftakt sein, weshalb ich plane daran teilzunehmen.

Meine Freundin liest heimlich meine Emails! Umgang mit Eifersucht als Gewaltform

In diesem Artikel beschreibe ich, wie vor ca. 5 Monaten meine Freundin meine Mailbox gelesen hat und wie ich mit diesem gewaltvollen Verhalten umgegangen bin. Vorab: Obwohl ich sehr enttäuscht war, dass ihr in dem Moment ihre Gefühle durchgegangen sind und obwohl ich ihr Verhalten als sehr gewaltvoll empfand konnten wir diesen Konflikt gut klären. Ein Schlüssel zur erfolgreichen Klärung waren meine Mitgefühlsmeditationen, die ich in der Situation verstärkt durchgeführt habe. Mit diesem Artikel möchte ich Wege aufzeigen, wie man auf häusliche Gewalt reagieren kann, ohne dass es zu Gegengewalt kommt. Wem die 1700 Wörter zu lang sind: Im Fazit am Ende des Artikels schlage ich 7 einfache Punkte zur gewaltfreien Unterbindung von Grenzüberschreitungen vor. 

Vor ca. 5 Monaten schrieb mir meine Freundin eine sehr seltsame Email. Für mich zu diesem Zeitpunkt sehr überraschend, stellte sie mein Commitment in unserer Beziehung in Frage und wunderte sich, ob ich sie überhaupt lieben würde. Das war kurz nachdem sie einen Job an meinem Wohnort angenommen hatte und einem Monat vor ihrem geplanten Umzug zu mir. Zuvor hatten wir ein Jahr lang eine Fernbeziehung.

Wir telefonierten und es war ein sehr seltsames Gespräch irgendetwas war ganz anders und ich verstand einfach nicht was. Ich konnte ihre Fragen nicht beantworten, verstand aber auch nicht wo sie herkamen. Da wir beide merkten, dass das Gespräch nicht voran ging beschlossen wir zu einem anderen Zeitpunkt weiter zu sprechen. Bei unserer nächsten Unterhaltung sprach ich meine Freundin auf ihre Vorwürfe an und erklärte, dass ich überhaupt nicht verstehen würde wo diese her kamen (Ich glaube ich hatte auch noch eine Mail geschrieben, in der ich versuchte auf sie einzugehen). Sie druckste rum. Ich realisierte, dass sie mir offensichtlich etwas zu sagen hatte, wofür sie sich schämte und sich schwer damit tat.

Da wir solche Situation schon in beide Richtungen hatten und in der Vergangenheit immer recht gut damit umgegangen sind, versuchte ich ihr den nötigen Raum zu geben. Sie auf der anderen Seite nahm all ihren Mut zusammen und teilte mir mit, dass sie in meiner Abwesenheit an meinem Computer meine Mailbox geöffnet habe und meine Mailwechsel und Chatgespräche mit meiner Exfreundin gelesen habe. Sie begründete ihr Verhalten mit der Tatsache, dass sie Angst hatte, das meine Exfreundin einen höheren Stellenwert in meinem Leben haben könnte als ich es in Gesprächen dar legte. Sie sei einfach irritiert davon, dass ich noch so viel Kontakt mit ihr hätte obwohl ich in dieser Beziehung so viel häusliche Gewalt erlebt hatte.

 

Überwachung von Mails ist bereits häusliche Gewalt

Ich war schockiert, entsetzt, enttäuscht und traurig. Meiner Meinung nach war unsere Beziehung von einer enormen Offenheit und von viel Vertrauen geprägt. Wäre meine Freundin mir mit ihrer Angst begegnet und hätte sie mich gefragt, ob sie meine Mailbox lesen dürfe, so hätte ich ihr das vermutlich direkt erlaubt. Doch dass sie es einfach gemacht hatte, ohne mich zu fragen empfand ich als eine Grenzüberschreitung und letztlich als einen Akt von Gewalt. Von der Härte und dem Ausmaß her nichts, was auch nur nah an meine letzte Beziehung ging. Dennoch war ich überhaupt nicht einverstanden mit dem was da passiert war. Ich war aus mehreren Gründen in einer schweren Lage.

  1. Ich habe in der Therapie gelernt wie wichtig es bei Grenzüberschreitungen und nicht konsensualem Verhalten ist deutlich NEIN zu sagen und dieses Nein auch umzusetzen. Wehret den Anfängen. Es war das erste von mir bewusst erlebte gewaltsame Verhalten meiner Freundin. Ich hatte starke Angst erneut in eine Gewaltbeziehung geraten zu sein.
  2. Es triggerte unweigerlich Erinnerungen an die häusliche Gewalt, die ich in meiner letzten Beziehung erfahren habe.
  3. Ich habe in der Beziehung auch gelernt, wie wichtig es ist Mitgefühl für Täter zu entwickeln.

@1: Ich habe gelernt, dass Grenzen ziehen im Zweifel durch abgrenzen und weggehen funktioniert. Ich wollte zu diesem Zeitpunkt unsere Beziehung jedoch gar nicht beenden, da ich sie wie Eingangs beschrieben als außergewöhnlich gut empfand. Ich machte mir Sorgen, dass das Äußern meines Unmutes über ihr Verhalten als Grenze nicht reichen könnte. Ich wollte aber auch nicht mit einer Trennung drohen, weil das nicht mal ein gutes Grenzen ziehen, sondern auch ein gewaltvolles Verhalten wäre. Ich wollte also eine Grenze ziehen, wusste aber nicht wie.

@2: Zum Glück habe ich in meiner Therapie gelernt, dass ich für meine Bewertungsschemata und Emotionen verantwortlich bin und nicht meine Freundin. Natürlich war ihr Verhalten an dieser Stelle nicht ok und hatte die Konsequenz, das ich mich – auf Grund meiner Vorerfahrungen – besonders schlecht gefühlt habe. Jedoch ist meine Freundin nicht Schuld an meinen Vorerfahrungen. Insbesondere ist sie nicht Schuld daran, dass ich ihr aktuelles Verhalten an meine Vorerfahrungen knüpfe. Die wichtige Erkenntnis ist hier also, dass es mir schlecht ging, ich aber trotz ihres Verhaltens sie dafür nicht verantwortlich machen sollte.

@3: Das war die Gretchenfrage! Wie schon gespoilert. Mitgefühl war der wesentliche Punkt um den Konflikt zu beseitigen. Wenn gleich auch der für mich schwierigste. Schwierig, weil ich eine sehr starke Diskrepanz zwischen Mitgefühl und Grenzen ziehen sehe. Wenn ich Mitgefühl mit einem bestimmten Verhalten habe, dann verzeihe ich es. Dann würde ich es auch noch einmal durch gehen lassen. Dann hätte ich keine Grenze gezogen. Wie ließen sich 1 und 3 also vereinen?

Ich spiegelte meiner Freundin meine Emotionen von Enttäuschung und Traurigkeit. Ich betonte gleichermaßen, dass ich ihr handeln als gewaltvoll und als einen Konsensbruch wahr nehmen bzw. bewerten würde. Ich erwähnte jedoch auch, dass ich glaube, dass sie in einer viel schwierigeren Situation sein müsse als ich, da sie gerade zu mir zieht und einen starkes Commitment eingeht und dafür sich natürlich Sicherheit wünscht. Darüber hinaus bat ich darum, das Telefonat zu beenden, damit ich über die Sachen nachdenken und meditieren könne. Meine Freundin weiß, dass ich in belastenden Situationen oft Mitgefühlsmeditationen mache. Ich glaube ihr ist – bis sie diesen Artikel hier liest – nicht so bewusst, dass ich bestimmt 1 bis 2 mal pro Monat explizit mit ihr in der Hauptrolle diese Meditationen durchführe.

Ich dachte über meine Punkte 1 bis 3 nach bevor ich mit der Mitgefühlsmeditation begann. Ich wollte auf keinen Fall durch eine Mitgefühlsmediation meine „Gehirn waschen“ und ihr blind verzeihen. Es war mir gerade auf Grund meiner Erfahrungen extrem wichtig eine plausible und authentische Grenze zu ziehen. Diesem Wunsch und Bedürfnis galt es für mich unter allen Umständen nachzukommen. Ich erlaubte mir über Trennung nachzudenken. Ich erkannte, dass ein kategorisches Ablehnen von Trennung nur eine Einladung zu gewaltvollem Verhalten ist. Ich erkannte, dass ich es mir also selbst wert sein musste, eine Trennung als Antwort nicht kategorisch auszuschließen.

Ich begann zu meditieren. Ich ließ mich immer weiter auf die Situation und das Verhalten meiner Freundin ein. Ich verstand immer besser, was ich oben bereits geschrieben hatte. Sie hatte einfach Angst. Sie hatte impulsiv in einer Situation wo sie die Gelegenheit hatte gehandelt, ohne sich in diesem Moment über die Konsequenzen bewusst zu sein. Sie hatte ein schlechtes Gewissen und zeigte Reue. Vor allem aber litt sie in der aktuellen Situation viel mehr als ich. Sie wusste, dass ich jetzt irgendwie reagieren würde. Sie fühlte sich unterlegen, weil ich jetzt sozusagen Macht hatte zu reagieren bzw. dass sie das Gefühl hatte jetzt in meiner Schuld zu stehen (Wir sprachen, davor oder danach auch mal über diesen Punkt und ich weiß aus erster Hand, dass sie diese Gefühle hatte). Mit all diesen Feststellungen und sogar dem Wissen, das Trennung eine Konsequenz sein konnte, war es ein Kinderspiel Mitgefühl für ihr Verhalten zu entwickeln.

Wie schrecklich es für meine Freundin sein musste, mich so zu verletzten, nur weil sie ihre eigenen Gefühle nicht aushielt. Wie sie jetzt leiden musste. Nach ca. 15 Minuten war ich an dem Punkt, dass ich ihr aufrichtig verzeihen konnte. Neben dem Mitgefühl entwickelte ich sogar Mitleid (was by the way keine so gute Strategie zu sein scheint, da Mitleid in der Regel mit einer ordentlichen Portion Arroganz verknüpft ist) Ich meditierte weiter. Nun nahm ich mich in den Mittelpunkt. Meine schwierigen Gefühle meine Irritation zum Thema Grenzen ziehen. Ich realisierte, dass es eben meine Gefühle waren, für die ich die Verantworten hatte. Ich verstand, dass ich keine andere authentische Grenzen ziehen konnte, als zu betonen, dass ich die Handlung uncool fand und warum.

Das tat ich auch. In weniger als 1 Woche vom Zeitpunkt der Grenzüberschreitung konnten wir den vermeidlichen Konflikt auflösen. Es stellte sich auch heraus, dass es von außen betrachtet keinen Grund zur Eifersucht auf meine Exfreundin gab. Doch genau das ist einer der wichtigen Punkte, um Gewalt zu unterbinden. der Blick von außen oder vermeidliche Objektivität helfen hier überhaupt nicht weiter. Meine Freundin hatte Angst, war verunsichert und fühlte sich unterlegen. Sie handelte aus Hilflosigkeit und Verzweiflung. Das sind gute Gründe. Hätte ich diese nicht akzeptiert und wäre ich dafür nicht empathisch gewesen – was mir vor allem durch die Mitgefühlsmeditation gelang – wäre der Konflikt sicherlich anders und vermutlich mit deutlich mehr Konfrontationen verlaufen.

Als ich sie vorhin fragte, ob es ok sei, wenn ich über diesen Vorfall in dem Blog schreibe sagte sie:

Klar aber nur wenn du beschreibst was für ein komisches Verhalten du an den Tag gelegt hast. Ohne das hätte ich das ja niemals gemacht.

Diese Aussage finde ich erschreckend. Sie untermauert ein Gefühl von nichts unrechtes getan zu haben und aus plausiblen Gründen gehandelt zu haben. Selbst wenn ich sogar durch gewaltvolles Verhalten die Eifersucht meiner Freundin geweckt hätte, wäre meiner Meinung nach Gegengewalt in dieser Form keine legitime Reaktion. Auf der anderen Seite untermauer ihre Aussage auch noch ein Mal dass sie für sich eben sehr plausible Gründe hatte.

Fazit:

Grenzüberschreitungen passieren leider in Beziehungen. Es liegt an uns selbst mit diesen verantwortungsvoll umzugehen. Hilfreiche Schritte können sein:

  1. Bei einer Grenzüberschreitung unserer Partnerin uns unseren eigenen Gefühlen bewusst werde. (Stichwort Achtsamkeit)
  2. Selbst die Verantwortung für die eigenen Gefühle übernehmen, auch wenn sie das Resultat einer Grenzüberschreitung sind.
  3. Mitgefühl mit der Partnerin zu entwickeln, die diese Grenze sicherlich nicht aus böswillig überschritten hat.
  4. Der Partnerin das Mitgefühl spiegeln und ihre Gefühle und Emotionen in der Situation ernst nehmen.
  5. Eine klare Position beziehen und betonen, dass man Gewalt ablehnt.
  6. Die Bereitschaft zur Verzeihung signalisieren.
  7. Gemeinsam über Möglichkeiten zur Wiedergutmachung (in beide Richtungen!) nachdenken

Ich freue mich über bessere Vorschläge, als die in diesem Artikel beschriebenen. Hinterlasst mir gerne einen Kommentar oder Pingback. Gerne könnt ihr mir auch eine Mail schreiben.

Sexuelle Belästigung von Männern durch Frauen

Am Freitag bin ich wieder meinem Hobby nachgegangen und habe in einer Diskothek aufgelegt. Unsere Gäste können dort Musikwünsche abgeben, die sie mir direkt sagen oder auf einen Zettel schreiben können. Erneut bin ich von einem weiblichen Gast sexuell belästigt worden.

Gegen 3 Uhr – also zu schon recht später Stunde – kam eine junge und recht betrunkene Frau zu mir und wünschte sich einen Song. Obwohl ich sie erst an diesem Abend durch eine gemeinsame Bekannte kennen gelernt hatte und wir erst maximal 3 Minuten miteinander gesprochen hatten empfand sie es als angemessen, ihren Arm um mich zu legen und mich nah und intim zu berühren. Ich hingegen empfand ihr Verhalten als befremdlich und aufdringlich und wich zurück. Ich betonte, dass wir meiner Meinung nach einander noch nicht so gut kennen würden, dass eine derartige körperliche Nähe angebracht sei und dass ich mich dadurch unwohl fühlte.

Sie war sichtlich irritiert und legte mir nah, spießig zu sein. In den Kreisen in denen sie verkehre – und dazu gehöre mit Sicherheit auch diese Diskothek – sei das doch normal, dass man einander so begegnet. Das erklärte sie mir mit dem Körper zugewandt, als ich bereits nach dem Song im Computer suchte. Ob absichtlich oder nicht kann ich nicht sagen, aber ihre Brüste berührten mich dabei deutlich. Ich ging merklich zur Seite und erklärte ihr, dass ich da etwas konservativer sei und mir mehr körperliche Distanz wünschte und bat sie meinen Wunsch zu respektieren. Mit einer abfälligen Handbewegung entfernte sie sich vom DJ-Pult.

Ich erlebe ähnliches Verhalten in meiner Rolle als DJ häufiger. Sobald Mädels einen Song wirklich gerne wollen, scheinen sie zu glauben, ihren Wunsch durch sexuelles Anbiedern erfüllt zu bekommen. Dabei scheinen für sie offensichtliche körperliche Grenzüberschreitungen kein Problem zu sein.

Ich finde dieses Verhalten aus 2 Gründen hochproblematisch. Zum einen prostituieren sich die Damen durch ein solches Verhalten. Mir kommt es nicht so vor, dass sie echtes Interesse an mir als Person haben. Dennoch bin ich sicher, dass ich auf das Verhalten (flirtend) anspringen und es verstärken bzw. ausnutzen könnte. Auf der anderen Seite bringt es mich in eine sehr schwierige Situation. Ohne das soziale Kompetenztraining, welches ich während meines Psychiatrieaufenthaltes nach einem deutlich heftigeren sexuellen Übergriff, erhalten hatte, würde es mir sicherlich nicht gelingen, mich davon abzugrenzen.

Darüber hinaus frage ich mich, was umgekehrt passieren würde, wenn ich zum Beispiel beim Aldi an der Kasse schneller dran kommen möchte und das der Kassiererin mitteile und ihr dabei zum Ausdruck meines Wunsches meinen Bart ins Gesicht reibe? Oder eben auch einfach nur ganz analog in einer Disko mit weiblicher DJane dieser meinen Körper an ihren Busen drücke oder vielleicht meinen Penis an ihrem Körper reibe damit sie motivierter ist meinem Musikwunsch eine höhere Priorität zu geben? Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich in diesem Fällen mit einer Ohrfeige oder einem Rausschmiss oder einer Anzeige wegen sexueller Nötigung zu rechnen hätte. Vermutlich würde ich eine dieser Reaktionen erfahren, ohne dass mir vorher freundlich gesagt wird, dass mein Verhalten nicht erwünscht ist.

Ich frage mich auch, was passiert wäre, wenn ich dem Türsteher gesagt hätte, dass mich diese Dame durch ihr Verhalten stört? Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das nicht ernst genommen worden wäre. Ich werde diesen Blogartikel dem Clubbesitzer zeigen und ihn fragen, wie er dazu steht und hier berichten.

Ich habe das Gefühl, dass die von mir beschriebene Situation auf 3 Weisen das Sexismusproblem (von dem Frauen wie Männer Betroffen sind) in unserer Gesellschaft darstellt.

  1. Es gibt Frauen, die glauben sich durch Sexualisierung einen Vorteil verschaffen zu können.
  2. Männer werden nicht ernst genommen, wenn sie die körperliche Nähe von solchen Frauen nicht erwünschen.
  3. Frauen (so wie Männer!) realisieren gar nicht, dass sie sich sexuell gewaltvoll und übergriffig verhalten und sind wenig aufgeklärt über sexuellen Konsens.

Schlussendlich sei noch gesagt, dass auch eine Google Bildersuche nach dem Begriff „Sexuelle Belästigung“ ein sehr verzerrtes Bild darstellt. In den Ergebnissen auf der ersten Seite finde ich ausschließlich männliche Täter und weiblich Opfer, was den Sexismus in der Gesellschaft ja verdeutlicht.

Was glaubt ihr, wie ich mich in Zukunft in einer solchen Situation verhalten sollte? Bin ich zu penibel?

Anleitung zu konsensualem gewaltfreien Sex – Das Konsensprinzip

Es gibt mehrere wichtige Dinge, die ich (obwohl ich in der Schule eher ein Überflieger war) weder in der Schule noch von meinen Eltern gelernt habe. Eine dieser Sachen habe ich glücklicherweise mittlerweile – wenn auch viel zu spät – erlernt und möchte sie gerne hier mit Euch teilen. Es geht um die Frage: Wie hat man eigentlich konsensualen Sex bzw. wie stellt man sicher, dass Konsens herrscht?  Das Problem, dass dieses Thema in den Schulen nicht gut erklärt wird, ist übrigens kein deutsches Problem. Die amerikanische Comedygruppe um den Briten John Oliver hat einen exzellenten Beitrag zu diesem ernsten und wichtigen Thema verfasst. Vor allem die letzten 4 Minuten finde ich äußerst lehrreich.

Auch im deutschsprachigen Raum gibt es zu diesem Thema viele außergewöhnlich lesenswerte Artikel. Zum Beispiel die Website wirliebenkonsens.de  oder aber der Flyer über Zustimmung von defma einer linken pro feministischen Gruppierung. Natürlich äußert sich auch die Mädchenmannschaft zu dem Thema Konsens. Etwas kritischer über die verschiedenen Herangehensweisen des Konsensprinzips diskutiert Miria das Thema in ihrem Blog. Auch in der deutschen Wikipedia ist seit dem ich den Konsensartikel erweitert habe das Thema sexueller Konsens vertreten.

Warum also noch ein weiterer Artikel dieser Art?

  1. Ich empfinde die meisten der existierenden Artikel als sehr einseitig. Es wird scheinbar davon ausgegangen, dass Männer den Konsens bei ihren Sexualpartnerinnen herstellen müssten (Nicht aber die Mädels bei ihren Sexualpartnern).
  2. Es gibt genug Männer die mit oben genannten oder ähnlichen Artikeln vertraut sind aber einfach nicht verstehen, wie das funktionieren soll und argumentieren, dass durch Konsens und das Konsensprinzip sämtliche Romantik verloren geht. Ich bin sicher, dass wir Männer da noch vieles zu lernen haben und es vielleicht hilft, wenn ich als Mann ein Paar Worte dazu verliere?
  3. Seit ich verstehe, wie  man Konsens herstellt beobachte ich, dass die wenigsten meiner Sexualpartnerinnen in der Vergangenheit besonders geschickt darin waren, Konsens mit mir herzustellen. In einem konkreten Fall fühlte ich mich so stark vergewaltigt, dass ein Rettungswagen kommen musste. Entsprechend möchte ich gerne die oben genannten Artikel zusammenfassen und ergänzen und aufzeigen, dass hier sowohl Männer als auch Frauen etwas wichtiges lernen können und dass das Thema für beide Seiten wichtig ist.
  4. Ich habe ganz persönlich einfach das Bedürfnis mich dazu zu äußern und durch einen geschrieben Text mein Wissen noch ein Mal zu reflektieren.

Hier meine Anleitung:

  1. Nein heißt nein! It’s that simple. Wenn dein Sexualpartner etwas nicht möchte, dann ist das zu akzeptieren. (Das gilt übrigens auch für nicht sexuelle Dinge.) Es ist nicht ok, weiter zu streicheln, zu überreden oder gar eine genervte oder abfällige Bewegung zu machen oder einen schnippischen Kommentar zu machen. Wenn dein Sexualpartner es schafft eine Grenze zu äußern, sei es durch Worte oder durch das Weglegen deiner Hand, dann solltest du dich dafür bedanken (und auch wirklich dankbar sein), dass er oder sie dir so sehr vertraut die momentane Unlust zu äußern. Viele Menschen haben Angst ihren Sexualpartner damit abzulehnen oder zu verletzen und überschreiten deshalb ihre eigenen Grenzen lieber. Viele sind auch so oft enttäuscht worden, dass sie aufgegeben haben. Von daher gilt es diese Form der Kommunikation auf alle Fälle zu respektieren und zu verstärken.
  2. Ja heißt Ja. Kein Nein heißt offensichtlich nicht automatisch ja. Von daher stellt sicher, dass euer Sexualpartner wirklich mit euch gemeinsam sexuelle Handlungen vornehmen möchte. Selbst wenn er oder sie gegenüber euch die Initiative ergreift, solltet ihr das Tempo raus nehmen. Sagt dass ihr euch nicht sicher seid, ob er oder sie das gerade möchte und dass es euch wichtig ist as explizit zu erfahren. Wenn ihr einander noch nicht so gut kennt z.B. weil es ein ONS ist betont einfach dass ihr die Grenzen eures Gegenübers noch nicht kennt. Sagt dass ihr Konsens und Respekt sexy findet und euch das antörnt, wenn ihr die Sicherheit habt, keine Grenzüberschreitungen zu machen. Nehmt euch die Zeit über Grenzen zu sprechen (siehe unten.)
  3. Sprich mit deinem Sexualpartner über eure Grenzen und Wünsche! Gebt eurem Partner das Gefühl, dass es ok ist Grenzen zu haben. Jede Grenze, die Euch ein Partner nennt ist ein erfolgreicher Schritt in Richtung konsensualer Sex. Sprecht über eigene Grenzen. Betont dabei dass euch eure eigenen Grenzen genauso wichtig sind, wie die des Gegenübers.  Respektiert die Grenzen auf jeden Fall. Wenn jemand z.b. keinen Oralsex wünscht, dann seid froh, dass er oder sie die Grenze geäußert hat. Bedankt euch innerlich und in eurer Kommunikation für das Nennen der Grenze.
  4. Keine Überraschungen! Viele Menschen scheinen zu glauben, dass Sex durch Überraschungen noch spannender und aufregender wird. Ich bin diesem Irrglauben auch ein Mal erlegen. Erstens ist guter intimer Sex an und für sich spannend. Zweitens wenn du deinen Sexualpartner überraschst, kannst du ihn oder sie sehr schnell überrumpeln. Mit der Argumentation von oben, dass viele Menschen sich schwierig damit tun nahe stehende Menschen abzuweisen, solltest du einen Menschen, den du respektierst, niemals in eine solche Situation bringen.
  5. Früher heißt nicht jetzt! Nur weil dein Sexualpartner und du schon ein oder mehrmals miteinander geschlafen habt und ihr auch Konsens hattet heißt nicht, dass der Konsens jetzt oder in Zukunft wieder gilt. Konsens ist jedes mal abzufragen. Natürlich kann man sich irgendwann auf Körpersprache oder andere Zeichen einigen und vielleicht sogar verlassen, aber dafür muss man einander schon wirklich gut kennen. Daher lieber ein Mal zu viel nachgefragt als die langjährige Beziehung zu vergewaltigen.
  6. Lernt nein sagen! Klar ist es wichtig, dass Euer Partner vorsichtig ist und von sich aus die Regeln von oben einhält. Doch leider könnt ihr heutzutage noch nicht davon ausgehen. In dem Sinne ist es sicherlich eine gute Idee nein sagen zu lernen. Das solltet ihr euch selbst wert sein! Ihr übernehmt damit eine Verantwortung für die Wissenslücken eures Partners und für euch selbst. Ich selbst habe in den ersten 5 Jahren meiner Sexualität viele Sachen gemacht, von denen ich dachte, dass das halt so sein muss, bzw. dass das von mir erwartet wird obwohl ich es gar nicht toll fand.
  7. Achtet auf die Körpersprache. Nonverbale Kommunikation ist sicherlich nicht ganz einfach. Doch wenn euer gegenüber nicht sagt aber nonverbal nicht euphorisch oder gar abweisend wirkt solltet ihr spätestens hellhörig werden. Macht eine Pause, fragt nach, wendet die anderen Regeln an.
  8. Macht Euch klar wo Sex und Konsens anfängt. Bereits eine Berührung und ein Kuss gehen tief in die Privatsphäre eures Gegenübers. Als DJ habe ich z.b. häufig Damen, die sich Lieder wünschen und meinen mich berühren zu dürfen und mir nah kommen zu dürfen. Selbst wenn ich die Damen attraktiv finde, bin ich mittlerweile von sowas genervt. Ich zeige dann immer eine Grenze auf und sage, dass ich die Dame nicht so gut kenne und nicht angefasst werden möchte. Es ist erstaunlich, wie schlecht die meisten Mädels damit umgehen können. Oft bekomme ich dann sogar ablehnende Sprüche, ich solle mich doch nicht so spießig anstellen oder was mit mir los sei? Ich will gar nicht wissen, wie oft das in der umgekehrten Situation schief geht. Viel zu oft sehe ich Männer die Frauen immer und immer wieder scheinbar „aus Versehen“ berühren, um sich anzunähern. Das ist nicht ok! Das bringt mich auch gleich zum letzten Punkt
  9. Thematisiere sexuellen Konsens mit deinen Freunden und in der Gesellschaft! Wir lernen es nicht in der Schule und nicht von unseren Eltern. Gerade in frühen Partnerschaften sind viele Menschen noch nicht so souverän und schämen sich stark. Hier können Hinweise durch Freunde etwas total wertvolles sein. Zeigt also Zivilcourage und redet mit euren Freunden über die Wichtigkeit dieses Themas. Noch besser ist natürlich das Gespräch mit eurem Partner und zwar schon bevor ihr mitten im Akt seid.

Ich hoffe ich konnte mit diesem Artikel etwas hilfreiches und sinnvolles zu der Diskussion um Konsens und das Konsensprinzip beitragen. Gerne ergänze ich meine Liste, wenn ich etwas vergessen habe oder beantworte Eure Fragen. Ich kann sagen, dass mein Sexualleben viel besser geworden ist, seit ich die Sicherheit habe konsensualen Sex zu haben. Erstens fühle ich mich souveräner, außerdem habe ich den Eindruck, dass auch meine Sexualpartnerin sich wohler fühlt.

 

Tonglen – die Mitgefühlsmeditation zur Überwindung eines Psychotraumas und für mehr Zwischenmenschlichkeit

Die Mitgefühlsmeditation Tonglen hat sich für mich zur nützlichsten Art und Weise entwickelt meinem Psychotrauma zu begegnen. Ich möchte meine Erfahrungen hier teilen und die Methode vorstellen und anschließend einige Auswirkungen aufzeigen. Vorher sind mir jedoch noch 2 Randbemerkungen wichtig.

  1. Wenn du ein Psychotrauma hast, hol dir Hilfe bei einem Arzt und/oder Psychologen. Tonglen ist unterstützend im Rahmen einer Therapie vermutlich viel hilfreicher, als wenn du es alleine probierst.
  2. Tonglen lernt man vermutlich nicht durch einen Blogartikel. Ich habe mich 4 bis 5 Monate fast täglich damit auseinander gesetzt, bis ich die Technik mehr und mehr erlernt hatte.

Die Idee bei der Tonglen Meditation ist es an seinem Mitgefühl zu üben. Mitgefühl für sich selbst, für Menschen die man liebt, für Menschen mit denen man befreundet ist, für Menschen denen man neutral gegenüber steht, schließlich aber auch für Menschen die einem Leid oder Gewalt angetan haben bis man es schließlich schafft, das Mitgefühl für alle lebenden Wesen zu empfinden.

Ich kann nicht erklären warum das hilft, ein traumatisches Gewalterlebnis zu verarbeiten. Ich kann aber versichern, dass es bei mir wahre Wunder bewirkt hat. Jeder entwickelt im Laufe seiner Lernkurve einen eigenen Stil, wie er genau Tonglen praktiziert. Ich kann nur für mich sprechen und meinen Stil hier mit euch teilen.

Vorbereitung

Zu nächst benötigst du 2 Bilder. Ein negatives Bild, zum Beispiel ein schreiendes Kind, dass sich beim Spielen die Knie auf geschlagen hat und bitterlich weint. Dann ein dem entgegengesetztes positives Bild, zum Beispiel ein Elternteil, dass das Kind mit offenen Armen empfängt und aufrichtig tröstet. Manchmal nehme ich aber auch einfach nur Dunkle Gewitterwolken und Nebel als ein negatives Bild und eine Erinnerung  an den Kalakul See als positives Bild

Kalakul See in Xinjiang China By Jialiang Gao, www.peace-on-earth.org (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Du siehst, die Bilder können abstrakt sein oder von etwas erlebtem ausgehen. Hauptsache, du kannst sie klar visualisieren und assoziierst sie mit einem sehr positiven bzw. negativem Erlebnis (nicht jedoch deinem Trauma)

Anleitung der eigentlichen Übung:

  1. Wähle geistig einen Menschen aus mit dem du die Meditation durchführen möchtest. Für Anfänger eignet es sich meistens entweder Freunde, denen es vermeidlich gut geht zu wählen oder aber Unbekannte von denen man weiß, dass sie leiden. Zum Beispiel die Flüchtlinge oder hungernde Menschen im globalen Süden.
  2. Atme tief ein und stelle dir vor deinem geistigen Auge das negative Bild vor das du zuvor gewählt hattest. Projiziere all das Leiden und die Schmerzen, die der von dir gewählte Mensch hat in dieses Bild.
  3. Atme entschlossen aus. Sende dabei der Person, mit der du arbeitest, tief aus dem innersten deines Herzen alles Glück und Mitgefühl zu, dass du nur empfinden kannst. Stelle dir zur Hilfe vor deinem inneren Auge dein positiv gewähltes Bild vor.
  4. Wiederhole Schritt 2 und 3  immer wieder.

Ein beliebter und toll funktionierender Trick ist es zwischenzeitlich die Person zu wechseln mit der man arbeitet. Gerade wenn man nicht weiter kommt kann man sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Dann übt man Mitgefühl mit sich selbst über den eigenen Frust gerade nicht weiter zu kommen.

Da Tonglen gerade am Anfang sehr anstrengend sein kann, da man es zu beginne für gewöhnlich nicht so lange schafft, sich so gut zu konzentrieren und nicht abzuschweifen empfehle ich einen Wecker zu stellen. Zu Beginn habe ich mir immer 3 Minuten zum Ziel gesetzt. Gerade wenn ich mit Gewalterlebnissen und Menschen die mich verletzt haben oder mir selbst gearbeitet habe war mir das fast schon unmöglich. Später als ich gemerkt habe, dass sich hierdurch wirklich etwas löst und ich die Technik erlernen wollte habe ich meinen Wecker auf 15 Minuten hochgestellt. Mittlerweile sind 30 Minuten kein Problem mehr für mich sondern eher eine Wohltat.

Auswirkungen

Ich habe mehrfach Situationen erlebt in denen entweder nur mein Gesicht oder mein kompletter Körper zu kribbeln begonnen hat. Ich konnte förmlich spüren, wie sich in meinem Kopf für mich zu vor identifizierte und dysfunktionale Bewertungsschemata aufgelöst haben.

Ich kann mittlerweile, wenn sich in Stress Situationen bei mir Kopfschmerzen entwickeln in über 50% der Fälle diese einfach durch eine 10 bis 15 minütige Tonglen Meditation weg meditieren.

Es gab nach meiner Erkrankung einen Menschen, in meiner WG, der mein Trauma nicht akzeptieren konnte und sogar noch sexuell übergriffig gegen eine weitere Mitbewohnerin wurde. Wir beschlossen alle auszuziehen und diesen Menschen zu meiden. Trotzdem stellte diese Situation für mich eine zusätzliche Belastung da. Auf Grund meiner Erkrankung hatte ich scheinbar nicht die Nerven der Situation mit dem nötigen kühlen Kopf zu begegnen. Obwohl ich schon in meiner eigenen neuen Wohnung war in der ich mich wohl fühlte hatte ich Alpträume von diesem Menschen, Panikattacken und war auch ziemlich stark suizidal. Ich wertete mich sehr stark ab, weil ich das Gefühl hatte in meinem Krankheitsverlauf noch so wenig gelernt zu haben und so starke Rückschritte gemacht zu haben. Ich hatte Angst nie wieder gesund zu werden und so geschwächt zu sein. Ich begann sogar bei Alpträumen ins Bett zu pinkeln. Ich war zu dieser Zeit gerade am Erlernen der Tonglen Meditation und mir kam die Idee, die Meditation mit dieser Person im Mittelpunkt auszuprobieren. Ich reagierte auf meine eigene Idee zu nächst ablehnend. Warum sollte ich mit einem solchen „Arschloch“ das sich einfach ungefragt zu meiner Mitbewohnerin ins Bett legt und uns alle aus der Wohnung getrieben hat auch noch Mitgefühl entwickeln und dem Täter auch noch geistig Glück und Mitgefühl aussenden? Mir kam die Idee, dass das Mitgefühl ja nur in meinem Kopf passiert genau, wie die Tatsache, dass mich mein Auszug und mein Scheitern mit der Situation nur in meinem Kopf belastete. Ich probierte es aus und es funktionierte! Bereits beim ersten mal fielen mir während der Meditation gute Gründe ein, warum dieser Mensch leidet und ich empfand aufrichtiges Mitgefühl. Meine erste Nacht ohne Alpträume über diesen Menschen folgte. ich wiederholte die Praxis und nach wenigen Tagen war es mir möglich über diese Person zu sprechen ohne nass geschwitzte Hände und Panik zu haben. Ich wusste nun, dass die Tonglen Mediation funktioniert und ich sie ein stück besser konnte.

Ich tastete mich geistig an meine Exfreundin heran. Sie kannte ich viel besser als den Mitbewohner und war ihr trotz der Gewalt in unserer Beziehung noch viel positiver gesonnen. Nachdem sie hier in dem Blog in einem Kommentar selbst geschrieben hat, dass sie als Kind geprügelt und eingesperrt wurde, empfinde ich es nicht als einen Eingriff in ihre Privatsphäre, das hier noch ein Mal zu rezitieren. Ich empfand in den Tonglen Meditationen sehr starkes Mitgefühl für sie. Sie hatte in ihrer Kindheit selbst so starke Gewalt erfahren, dass sie in Konfliktsituationen keinen anderen Umgang wusste, als aggressiv zu werden. Obwohl sie wusste, dass sie mich verlieren würde, konnte sie nicht anders, als ihre Emotionen gewaltvoll zum Ausdruck bringen. Wie schmerzvoll es für sie in solchen Situationen doch sein musste und sicherlich auch jetzt noch ist. Ich empfinde starkes Mitgefühl für sie, dass sie sich von den ungerechten Kindheitserlebnisse nicht lösen kann und damit einen geliebten Menschen verlieren musste. Ich ging weiter und ich erinnerte mich an körperliche, psychische und emotionale Gewalt, die sie gegen mich ausführte und empfand noch mehr Mitgefühlt mit ihrem Schmerz. Mit jedem Atemzug zog ich ihren Schmerz in mich rein und versuchte beim Ausatmen ihr Glück und frieden zu wünschen und sendete mein Mitgefühl mit.

Ich machte Die Meditation auch mit mir, meiner aktuellen Freundin, meinem Chef, meinen Familienmitgliedern und halt eben oft auch mit fremden Menschen. Menschen in meinem Umfeld sprachen mich darauf an, dass ich gelassener und ausgeglichnere war – insbesondere wenn ich zum Beispiel zu einer Gruppe kam in der gerade ein Konflikt herrschte.

Ich bin seither auch im Alltag und vor allem gegenüber fremden Menschen aber auch anderen Meinungen viel offener als zuvor. Ich mache oft was in Fachkreisen „Tonglen im Alltag“ genannt wird. Wenn ich durch die Straßen gehe oder in Gruppen bin sende ich kurz Bilder von Glück und Mitgefühl an meine Mitmenschen aus.

Männliche Opfer häuslicher Gewalt erleben zusätzlich noch strukturelle Gewalt durch Sexismus

In der Englischen Wikipedia wird strukturelle Gewalt wie folgt definiert (Der Deutsche Artikel leidet seit 6 Jahren an Mängeln bezüglich der Neutralität. Hey vielleicht mag in ein Leser verbessern!):

Structural violence refers to a form of violence wherein some social structure or social institution may harm people by preventing them from meeting their basic needs. Institutionalized adultism, ageism, classism, elitism, ethnocentrism, nationalism, racism, and sexism are some examples of structural violence […] It is very closely linked to social injustice. Structural violence and direct violence are said to be highly interdependent, including family violence, gender violence, hate crimes, racial violence, police violence, state violence, terrorism, and war.

Frei übersetzt heißt das:

Strukturelle Gewalt ist eine Form von Gewalt in der Betroffene durch Institutionen oder soziale Strukturen geschädigt werden, da sie daran gehindert werden, ihre grundlegenden Bedürfnisse zu erfüllen. Beispiele sind Gewalt die Eltern über ihre Kinder haben, AltersdiskriminierungKlassismus, Elitarismus, Ethnozentrismus, Nationalismus, Rassismus und Sexismus. […] Strukturelle Gewalt ist eng verbunden mit sozialer Ungerechtigkeit. Es wird gesagt, dass strukturelle Gewalt und direkte Gewalt wie Häusliche Gewalt, Sexuelle Nötigung, Hasskriminalität, Polizeigewalt, Staatsterrorismus, Terrorismus und Krieg eng miteinander verknüpft sind.

Ich habe das genauso empfunden, wie es in der Wikipedia beschrieben wird und ich habe auch bereits davon geschrieben, dass nach meinen Erlebnissen mit häuslicher Gewalt folgende Dinge die Regel waren:

  • Freunde und Verwandte hielten mich für ein Weichei.
  • Ich habe Männliche Hilfesuchende im Web gefunden, die beschimpft wurden selbst schuld zu sein.
  • Vereine für Opfer z.b. Caritas konnten mich nicht unterstützen, weil nur Gelder für weibliche Opfer da sind
  • Deutschlands Gesundheitssystem hat keinen Prozess für Männliche Opfer von sexuellen übergriffen.
  • Es heißt Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und in der Rubrik Gleichstellung heisst es Frauen vor Gewalt schützen. Nirgendwo kommen Männliche Opfer vor.

Dann bin ich auf das folgende Video gestoßen, von dem ich recht sicher bin, dass sich die Redaktion zwar beim editieren zwar die Rosinen herausgepickt hat, das allgemeine Bild jedoch vollkommen mit meinen Erlebnissen d’accord geht. Es zeigt mit versteckter Kamera wie in der Öffentlichkeit eine Frau häusliche Gewalt gegen ihren Partner ausübt und Passanten einfach vorbei gehen, wegschauen oder amüsiert zuschauen oder sogar noch ein eigenes Video aufnehmen. Im umgekehrten Fall zeigt es, wie sich sofort Männer einmischen, wenn die Gewalt vom Mann ausgeht. Es zeigt sehr deutlich, dass der Sexismus in der Gesellschaft so krass ist, dass ich als Mann wenn ich Gewalt erlebe und Hilfe benötige keine erwarten kann:

Ich hoffe, dass ich Menschen finde, die mit mir bereit sind das Experiment hier in Deutschland zu reproduzieren und auch dafür zu sorgen, dass wir sämtliche Reaktionen zeigen und uns nicht nur die Rosinen raus picken.

Fazit: Ich habe meine häuslichen Gewalterfahrungen zu großen Teilen verarbeitet. Zwar habe ich noch gelegentlich Symptome, doch kann ich mittlerweile wieder viel besser damit umgehen. Was ich jedoch noch nicht gerade bekommen habe ist die strukturelle Gewalt die ich erlebt habe. Gefühlt rede ich mit dem Thema gegen Wände. Menschen die meinen Blog lesen finden mich mutig und sprechen mir zu. Politiker oder Gleichstellungsbeauftragte mit denen ich spreche machen ein betroffenes Gesicht. Gefühlt versucht allerdings keiner etwas zu ändern und ich alleine schaffe es nicht. Diese strukturelle Gewalt hält andauernd an aber scheinbar schafft es niemand etwas wirksames gegen diese Diskriminierungen und den Sexismus in unserer Gesellschaft zu unternehmen. Aber klar, es wäre ja auch keine strukturelle Gewalt, wenn sich hier leicht durch einen Artikel etwas ändern ließe. Alleine das Tippen dieses Abschnittes hat mich wieder so verzweifeln lassen, dass folgendes Video dabei entstanden ist.

Ich habe viel stärker geweint als in dem Video zu sehen ist und auch nicht das erste Mal dass das passiert ist, während ich am Bloggen war. Aber mich selbst zu filmen war auch sehr aufregend und hat mich abgelenkt. Ich habe in der Therapie auch gelernt, dass weinen ok ist und beim Verarbeiten hilft.

Trotzdem wollte ich einfach mal zeigen, dass diese strukturelle Gewalt für die Betroffenen ein echtes Problem sein kann. Bitte achtet auf euch und euer Umfeld und geht aufmerksam mit Sexismus um. Zeigt Zivil Courage und schreitet ein, wenn ihr Sexismus erlebt, das kann einem Opfer so viel bedeuten.